![]() | „Ja, ich gehöre auch zu den Verrückten!“
„Polo?“, Frau Neureich schaut Jürgen Klehr ungläubig an, „Ist das nicht unglaublich teuer? Wie können sie sich das denn leisten?“. „Hätte ihr ja auch schon beim Thema Golf auffallen können“, denkt er sich, doch kontert mit einem überlegenen „Teuer ist relativ. Klar, zehn Bugattis sind teurer“. Er erklärt ihr, sein Vater möchte nur sehen, dass er etwas arbeite und für die Kosten aufkommt, denn: „Meine Familie spielt schon in der dritten Generation Polo in Deutschland, diese Tradition soll natürlich mit mir fortgesetzt werden“. „Aber so ein Pferd kostet doch sicher enorm viel“, mischt sich Herr Neureich ein und will den Haken finden. Doch Jürgen Klehr schlägt zurück mit dem besten Satz, den er jemals gesagt hat: „Ein Pferd? Mit einem Pferd kommen sie beim Polo nicht weit“. Und lächelnd fügt er hinzu: „Meinen letzten Satz Pferde habe ich in Argentinien geholt. Die Anschaffungskosten können sie vernachlässigen, aber Transport, Versicherung, Unterkunft und Verpflegung fressen sie auf“. Die Synapsen von Herrn Neureich arbeiten auf Hochtouren und man kann förmlich sehen, wie er versucht, „fressen sie auf“ in D-Mark umzurechnen. „Und was ist nun so besonders an Polo?“ wirft Frau Dr. Posh ein. Die Antwort folgt auf dem Huf: „Das Besondere am Polo ist, dass man noch wirklich unter sich ist!“. Zeitsprung. Im Sommer 2002 sitzt Jürgen Klehr in Mannheim mit Freunden in seiner eigenen Kneipe und wird aufgefordert, die Polo-Story zum tausendsten mal zu erzählen. Wie die 999 mal zuvor sorgt sie für Tränen vor Lachen. Plötzlich fragt jemand: „Warum spielen wir nicht wirklich Polo?“. Alkoholisiertes Schweigen. Dann plötzlich: „Genau! Morgen um 15 Uhr Polo im Park“. Am nächsten Tag betrete ich die „Spielzeugschachtel“ – einen kleinen Laden, geführt vom Inhaber, der auch hinter der Kasse steht. „Guten Tag, ich hätte gerne ein Steckenpferd“. Er schaut nicht auf. „Haben sie Kinder oder gehören sie auch zu den Verrückten?“. „Ja, ich gehöre auch zu den Verrückten“. 8 Stunden, 15 Tore, 100 Zuschauer und gefühlte 200 Strafsherrys für falsches Galoppieren später gründen wir den 1. Kurfürstlich-Kurpfälzischen Polo-Club Mannheim. Das Motto: Polo ist unser Steckenpferd. Die Mission: Aufnahme als Demonstrationssportart bei den Olympischen Spielen 2020.
Andreas Jurkowitsch based on a story by Jürgen Klehr |
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